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Zjawny list sobudźěłaćerjow Němsko-Serbskeho ludoweho dźiwadła

Druhi króć w stawiznach Němsko-Serbskeho ludoweho dźiwadła Budyšin stupimy – Serbja a Němcy – zhromadnje ze swojich rólow.

Naše Němsko-Serbske ludowe dźiwadło je wohrožene!

Załožba za serbski lud je posudk do nadawka dała, w kotrymž so lětdźesatki dołhe a wuspěšne bikulturne zhromadne dźěło němskich a serbskich dźiwadźelnikow do prašenja staja.

Smy žiwi w dwurěčnym regionje. Naše dźiwadło je fungowacy přikład dwurěčneho skutkowanja. Wone njefunguje jenož na kulturnopolitiskej, ale tež na wuměłskej a kolegialnej runinje.

  1. Žadamy sej hnydomne zběhnjenje zawěry etata
  2. Žadamy sej dodźerženje § 2, wotrězka 2, sady 4 sadźby Załožby za Serbski lud wo „spěchowanju zdźerženja serbskeje identity w zjawnosći, w powołanskim žiwjenju a w zhromadnym žiwjenju němskeje a serbskeje ludnosće“
  3. My serbscy sobudźěłaćerjo mamy hižo nimale 50 lět adresu w Němsko- Serbskim ludowym dźiwadle Budyšin
  4. Wobaramy so přećiwo dźělenju a wumjezowanju
  5. Wobaramy so přećiwo tomu, zo Załožba za serbski lud naše dźiwadło eksistencielnje do prašenja staja
  6. Wobaramy so přećiwo nacionalistiskim tendencam
  7. Njedamy so do dweju lěhwow pačić
  8. Serbja a Němcy chcedźa dale zhromadnje wuměłsce dźěłać
  9. Smy přećiwo zničenju fungowacych strukturow
  10. Žadamy sej jasne pozicionowanje wšitkich zamołwitych a nošerjow politiskich rozsudow!
 


Offener Brief der Mitarbeiter
des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen treten wir - Sorben und Deutsche - gemeinsam aus unseren Rollen heraus.

Unser Deutsch-Sorbisches Volkstheater ist in Gefahr!

Die Stiftung für das sorbische Volk hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dessen Folge die jahrzehntelange und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen deutschen und sorbischen Theaterschaffenden in Frage gestellt wird.

Wir leben in einer bikulturellen Region. Unser Theater ist ein funktionierendes Beispiel zweisprachigen Wirkens. Es funktioniert nicht nur auf kulturpolitischer, sondern auch auf künstlerischer und kollegialer Ebene.

  1. Wir fordern die sofortige Aufhebung der Haushaltssperre
  2. Wir fordern die Einhaltung des § 2, Absatz 2, Satz 4 der Satzung der Stiftung für das Sorbische Volk „die Förderung der Bewahrung der sorbischen Identität in der Öffentlichkeit im Berufsleben und im Zusammenleben der sorbischen und nicht sorbischen Bevölkerung
  3. Wir sorbischen Mitarbeiter haben seit fast 50 Jahren eine Adresse im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen
  4. Wir wehren uns gegen Trennung und Ausgrenzung
  5. Wir wehren uns gegen die existentielle Infragestellung unseres Theaters durch die Stiftung für das Sorbische Volk
  6. Wir wehren uns gegen nationalistische Tendenzen
  7. Wir lassen uns nicht in zwei Lager spalten
  8. Sorben und Deutsche wollen weiterhin gemeinsam künstlerisch arbeiten
  9. Wir sind gegen die Zerstörung funktionierender Strukturen
  10. Wir fordern eine eindeutige Positionierung aller Verantwortlichen und politischen Entscheidungsträger!
 
 

Die Beschäftigten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters

 

  ===> hier geht es zur Forumsdiskussion  

 

 

Ein Text von Kito Lorenc zum bikulturellen Theater:

Wer heute bezüglich dieses Theaters irgendwelche „Nationalen“ Anteile einfordert, zuweist oder heraus seziert, sei es in Worten oder Prozenten oder Fördermitteln, der grenzt ab und aus, der schneidet ins empfindlich-lebendige, ganzheitliche Fleisch, der macht von der in diesem Haus Gott sei Dank gewonnenen, unter größten Anstrengungen erreichten kulturellen, ästhetischen Kategorie der Bikulturalität wieder Schritte zurück zur politischen Kategorie nationaler Konkurrenz, zu deren Rivalitäten und Gruppenegoismen mit all den sattsam bekannten, höchst unappetitlichen, abstoßenden Querelen. Der verlässt schließlich Kultur und Kunst, und den verlässt sie auch. Denn die Kunst will, wie der Mensch im allgemeinen, keine politische oder nationale Sonderrolle spielen, sondern hier: eine Theaterrolle. So einfach ist das, aber noch einfacher ist es nicht zu haben und nicht zu machen. Jetzt müssen die Geldgeber, die mono – oder bikulturellen, die richtigen Schlüsse ziehen – sonst wird es nullkulturell: minderheiten- oder mehrheitenpolitisch.

Dr. h.c.Kito Lorenc

Träger des Lessings-Preises 2009

In: Bikulturalität und Selbstverständnis – Standortbestimmung des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters - Diskussionsbeitrag von Kito Lorenc auf dem Theaterforum zum Thema am 3.10.1994

 

 

hier können Sie das Gutachten des Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen [IKS] herunterladen:

Gutachten

hier einige Links zu ZUsammenfassungen, Kommentaren und weiteren Berichten:
(Die Homepage der sorbischen Stiftung ist leider seit einigen Tagen nicht mehr erreichbar)

sorben.org: Gutachten kritisiert Sorbische Institutionen

piwarcs weblog: Blogs über: Vogtowe Porucenja

in serbski-forum: zur Auftragserteilung

alles-lausitz.de: Sorbenförderung als Gnadenerweis?

mdr sachsen: Sorben wehren sich gegen Sparmaßnahmen

lausitzer rundschau: Sorbischer Künstlerbund kritisiert Gutachten als "zynisch"

Waschinskys Generalanzeiger: Sorbisch-deutsche Probleme? Nein. Und ja.