Kleine Bautzener
Theatergeschichte
1796
Gründung des Bautzener Stadttheaters als Aktiengesellschaft in einer ehemaligen Bastion der inneren Stadtmauer zwischen Lauengraben und Kornmarkt. "Die Zauberflöte" kommt hier bereits kurz nach ihrer Uraufführung ins Repertoire. Das Gebäude wird immer wieder umgebaut, zuletzt 1905 und erhält zunehmend die Gestalt eines kleinen "Schlosstheaters". Wiederholt führen Kriege und wirtschaftliche Krisen zur Schließung und Neueröffnung des Theaters, dennoch ist die Theatertradition an einem festen Haus (mit Schwerpunkt Musiktheater) nie länger unterbrochen.
1905
Die Stadt Bautzen bringt den von der Stadt Dresden geschenkten Figurengiebel von Ernst Rietschel "Die Tragödie. Die Orestie", der von Sempers abgebranntem Opernhaus (Vorgängerbau der heutigen Semperoper) stammt, am Stadttheater an.
1948
Gründung des ersten sorbischen Berufstheaters, des Sorbischen Volkstheaters (Serbske Ludowe Dziwadlo). Das Sorbische Volkstheater besitzt in Bautzen lediglich ein Verwaltungs- und Probegebäude, die Aufführungen finden auf Abstecherfahrten in die sorbischen Gemeinden in Gasthöfen statt. Diese Tradition überlebt am Deutsch-Sorbischen Volkstheater mit dem obersorbischen Herbst- und den niedersorbischen Frühjahrsabstecher bis heute, wird allerdings durch Aufführungen im Stammhaus ergänzt.
1961
Gründung des zweisprachigen Marionettentheaters als Sparte des Sorbischen Volkstheaters, hervorgegangen aus der privaten Puppenbühne der Familie Ritscher.
1963
Am 2. August 1963 findet die feierliche Gründung des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters statt. Hervorgegangen aus dem aus dem Stadttheater Bautzen und dem Sorbischen Volkstheater ist das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen das bis heute einzige zweisprachige Berufstheater Deutschlands.
1969
Nach Auftreten diverser Baumängel und der Notwendigkeit technischer Sanierung wird das Theatergebäude gesperrt, die Figuren des Rietschelgiebels werden abgenommen und an mehr oder weniger geeigneten, wechselnden Orten eingelagert. Der Spielbetrieb wird im Saal des Hotels "Krone" (Musiktheater und große Schauspielinszenierungen), auf der Studiobühne (Schauspiel) aufrecht erhalten.
Zwar wird ein Modernisierungs- und Vergrößerungskonzept am alten Theaterstandort ausgearbeitet, doch mit der Verschiebung der DDR-Baupolitik hin zu Wohnbauten, die zu einem Stopp bei Kulturbauten führt, wird das Projekt nie realisiert. Statt dessen wird das Bautzener Theater gesprengt.
1973-75
Als "Erweiterungsbau" des Verwaltungs- und Studiobühnengebäudes an der Seminarstraße deklariert, wird ein neues Theatergebäude de facto als Schwarzbau durch Initiative verschiedener lokaler Kulturfunktionäre errichtet. Arbeitsdienste des gesamten Ensembles und Organisationstalent "beziehungsreicher" Bautzener ermöglichen das Husarenstück. Allerdings bleibt der Bau unvollendet: Bis heute fehlt ein Bühnenturm.
1989
Hochbrisante und kritische Aufführungen, lebhafte Diskussionen mit dem Publikum, Texte zur Lage, Bürgerforum, Montagsdemos und Runder Tisch: Im Herbst 1989 war das Deutsch-Sorbische Volkstheater eine Keimzelle der friedlichen Revolution, ein politischer Kraftquell und eine Nische des offenen Dialoges. Bereits am 8. Oktober 1989 trat das Schauspiel nach der Vorstellung „Amadeus" geschlossen vor sein Publikum und formulierte unter der Überschrift „Wir treten aus unseren Rollen heraus..." seine Forderungen. Der von Michael Lorenz verlesene Text war kurz zuvor von Lutz Hillmann aus dem Staatsschauspiel Dresden beschafft worden - die Dresdner hatten am 6. Oktober zu lesen begonnen. Die ganze Aktion erforderte Mut, denn noch am Vorabend hatte die DDR-Führung in Berlin mit großem Pomp den 40. Jahrestag der DDR gefeiert und Demonstranten in Berlin, Dresden und Bautzen zusammen geknüppelt und zugeführt (von Verhaftungen durfte man nicht sprechen).
1992
Das Bautzener Musiktheaterensemble und Ballett werden aufgelöst, die Lausitzer Philharmonie wird gegründet, die für Theater und Sorbisches Nationalensemble zugleich spielt. Seit dieser Spielzeit liegt der Besucherschwerpunkt auf dem Schauspiel.
1996
Die Neue Lausitzer Philharmonie, zuständig sowohl für das Theater Görlitz als auch für das Theater Bautzen wird gegründet. Der neue Klangkörper begleitet neben einem Konzertring pro Spielzeit in Bautzen drei Bautzener Stagione- und drei Görlitzer Übernahme-Inszenierungen.
Der erste Bautzener Theatersommer startet im Hof der Bautzener Ortenburg. Unter freiem Himmel werden zehn Vorstellungen vom "Volksstück vom Johannes Karasek genannt der Schrecken der Oberlausitz" im Juli 1996 mit großem Erfolg gezeigt.
1999
Nach einem Beschluss des Kulturkonvents wird die Bautzener Musiksparte endgültig
geschlossen. Das Theater erhält pro Spielzeit sechs Görlitzer Musiktheater-Inszenierungen. Im Gegenzug verstärkt das Theater Bautzen sein Schauspielangebot in Görlitz. Daneben wird das neue Kamenzer Stadttheater regelmäßig von Bautzen bespielt, mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau werden verstärkt Inszenierungen ausgetauscht.
Zur Spielzeit 1996/97 hatte die Besucherzahl 76.000 betragen, zur Spielzeit 1999/2000 beträgt sie sensationelle 150.000 Besucher (Staatsschauspiel Dresden 1999: 135.000 Besucher)
Programmatisch werden mit Event-Formen wie "Die Olsenbande dreht durch" oder dem Sommertheater, aber auch verstärktem Engagement im Bereich Jugend- und Puppentheater neue Zuschauerschichten erschlossen bzw. alte zurückgewonnen.
2000
Am 25. September 2000 beschloss der Bautzener Kreistag den Bau eines
Theaterneubaus im Hof der Bautzener Ortenburg an der Stelle des ehemaligen Kornhauses. Das Puppentheater, das bis zur Eröffnung im Kasernengelände in einer alten Reithalle, die später auch als Kinosaal diente, untergebracht war, sollte ein neues Zuhause erhalten. Ebenso das Sorbische Kinder- und Jugendtheater sowie die "kleine Form". Eine Auswahlkommission von Experten aus ganz Deutschland wählte aus sieben Architekturbüros den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Ehrlich aus Bautzen aus.
2001
Mit gut 158.000 Besuchern und einer Auslastung von über 84 Prozent erlebt das Bautzener Theater die erfolgreichste Zeit seiner Statistik und hat seit 1997 (76.000 Besucher, Auslastung 67 Prozent) die Besucherzahlen mehr als verdoppelt.
Im März 2001 konnte die Freifläche und das Haus 7 vom Staatlichen Vermögens- und Hochbauamt an das Deutsch-Sorbische Volkstheater übergeben werden. Anfang April 2001 begannen die ersten Bauvorbereitungen. Im Herbst 2001 entstand die Idee, die Figuren des Rietschelgiebels in die Fassade des neuen Burgtheaters zu integrieren. Der Stadtrat griff die Idee auf und entschied, die Figuren als Dauerleihgabe am neuen Theater aufzustellen.
Im November 2001 begannen die Gründungsarbeiten für den Neubau. 3,5 Meter tief, 16 Meter breit und 50 Meter lang erstreckte sich die komplette Baugrube.160 Tonnen Baustahl und 1500 Kubikmeter Beton sollen in den folgenden Monaten das Burgtheater wachsen lassen. Nach neun Monaten, wesentlich länger als geplant, wurden im Dezember 2001 die archäologischen Arbeiten abgeschlossen.
2002
Nach einem Beschluss des Kulturkonvents Oberlausitz-Niederschlesien aus dem Jahr
2000 fusionieren das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen und das Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau zur Oberlausitzer Schauspielgesellschaft mbH. Noch während die beiden Intendanten, Lutz Hillmann (Bautzen) und Roland May (Zittau) über die sich daraus für die Folgejahre ergebenden Umstrukturierungen beraten, beschließt der Kulturkonvent, die Oberlausitzer Schauspielgesellschaft ab 2003 mit dem Theater Görlitz sowie der Neuen Lausitzer Philharmonie zu einem Kulturraum-Theater zu fusionieren.
Im September 2002 wurde Richtfest am neuen Burgtheater gefeiert.
2003
Nach der Erstellung eines Klimagutachtens zur Vorbereitung der besseren Klimatisierung im Zuschauerraum der Hauptbühne hebt das Bauordnungsamt Bautzen den Bestandschutz des Theatergebäudes auf: Wandverkleidungen, Decke, Boden, Außenwände (Dämmung) müssen den neuesten Gesetzlichkeiten bei Klimatisierung und Brandschutz angepasst werden. Das entspricht einem Rückbau auf Rohbauniveau und kompletter Innensanierung von Zuschauerraum, Foyer und Teilen des Bühnenraums. Bis zum 31. Mai bestand unter erhöhten Sicherheitsauflagen noch eine befristete Spielerlaubnis, dann wurde das Haupthaus für den Besucherverkehr geschlossen.
Noch während der Spielzeitpause wurde die Stadthalle Krone durch das Theater und den Vermieter saniert und zur Interimsspielstätte für die Hauptbühneninszenierungen umgebaut.
Am 12. September wurde das nagelneue Burgtheater/Dziwadlo na hrodze mit den Figuren des Rietschelgiebels feierlich eröffnet.
Am 17. Oktober eröffnete der Bühnenball 2003 die Spielzeit in der Stadthalle Krone.
Ende 2003 scheitert die Fusion zwischen dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater und dem Sorbischen National-Ensemble am Veto des Bundes und des Landes Brandenburg.
Im Jahr 2003 besuchten über 145.000 Zuschauer 916 Vorstellungen im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen.
2004
Am 11. Mai , 11.00 Uhr startete offiziell der Umbau am Haupthaus auf der
Seminar-straße.
Noch im Mai wurde der Zuschauerraum entkernt. Im Juni wurde die Fassade
auf der Südseite abgebrochen.
Der 9. Bautzener Theatersommer mit dem Singspiel "Im Weißen Rössl"
zieht nach drei Jahren auf dem Schützenplatz wieder zurück in den Hof
der Ortenburg. Vom 1. Juli bis 8. August besuchten rund 30.000 Zuschauer
das Sommertheater.
Im September 2004 gastiert das Puppentheater mit "Peter und der Wolf"
im Partnertheater im ungarischen Szekszart.
Auch die Hauptbühneninszenierungen der Spielzeit 2004/2005 werden komplett
in der Stadthalle Krone als Interimsspielstätte gespielt. Ebenso finden
Konzerte und Gastspiele hier statt.
Eine neue Matineereihe "Lausitzer Literatur vorMittag", in Zusammenarbeit
mit dem Lusatia Verlag Bautzen, etabliert sich einmal monatlich sonntags
im Burgtheater. Literarische Kostbarkeiten verschiedener Lausitzer Autoren
aus Vergangenheit und Gegenwart werden ebenso angeboten wie ein Frühstücksbufett
und ein unvergleichlicher Blick aus dem kleinen Saal ins Oberlausitzer
Bergland.
Als Reaktion auf das erschreckende Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen
mit dem Einzug der NPD ins Parlament startet das Ensemble die Aktion "Zivilcourage
im Rampenlicht" mit öffentlichen Meinungsäußerungen von Schauspielern
und Besuchern. Im Theater entstand der Wunsch, etwas zu tun, damit rechtes
Gedankengut sich nicht dauerhaft in den politischen Gremien etablieren
und die demokratische Kultur dieses Landes untergraben und zerstören kann.
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater hat sich dafür entschieden, mit den
ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dort anzusetzen, wo die Wähler von
morgen heranwachsen: in den Schulen. Die Inszenierung "Die Welle"
setzt sich mit der Problematik auseinander.
Die Zuschauerzahlen 2004 sind trotz Interimsspielstätte fast konstant
geblieben.
2005
Im Januar 2005 erscheint die erste Ausgabe der neuen Theaterzeitung "Theater
plus" an der sich regelmäßig das Sorbischen National-Ensemble, Stadt
und Landkreis Bautzen sowie das Bischof-Benno-Haus Schmochtitz beteiligen,
um eine Kulturzeitung für die gesamte Oberlausitz anzubieten.
Lange Schlangen bilden sich im April zum Theatersommer-Vorverkaufsstart
im Burgtheater. Das "Volksstück vom Johannes Karasek, genannt der
Schrecken der Oberlausitz" von Ralph Oehme erinnert nach zehn erfolgreichen
Sommer-Spektakeln an die Anfangsjahre.
Im Juni 2005 fallen die Gerüste am neu errichteten Bühnenturm am Theaterhaupthaus.
Schon von weitem ist das Shakespeare-Zitat aus der Komödie "Wie es
euch gefällt" in drei Sprachen, deutsch, sorbisch und englisch zu
lesen, das zugleich Motto für die Spielzeit 2005/2006 ist.
2006
Die Bauarbeiten am großen Haus umfassten die nachhaltige Erneuerung und
die vorschriftengerechte Ausstattung der gesamten haustechnischen Anlagen,
wie Lüftungs- und Klimatechnik sowie den Austausch der gesamten Elektroanlage,
die brandschutztechnische Trennung von Besucher- und Bühnenbereich unter
anderem durch den "Eisernen Vorhang", die brandschutzgerechte
Auslegung und neue Führung von Fluchtwegen sowie die brandschutzgerechte
Auslegung von Wand- und Deckenverkleidungen in den Besucherzonen. Außerdem
wurde das gesamte Gebäude gedämmt und auch die Dachabdeckung erneuert.
Im Theatersaal ergeben ein verbessertes Raumklima und eine optimale Akustik
Vorteile für die Besucher. Alle brennbaren Einbauten wurden entfernt.
Im neu entstandenen Bühnenturm ist nicht nur der Eiserne Vorhang untergebracht,
der im Brandfall den Besucherbereich vom Bühnenbereich trennt, sondern
auch die Bühnentechnik, wie zum Beispiel Züge für Kulissen etc.
Die Grundfläche des Ostfoyers wurde erweitert, wodurch eine besucherfreundliche
Konzentration der Theaterkasse und des Besucherservices entstand. Die
Theaterkasse fand ihr neues Domizil im Ostfoyer und ist auch von der Seminarstraße
aus erreichbar.
Nach 19 Monaten Bauzeit fand am Mittwoch, 11. Januar 2006, die Bauabnahme
durch das Bauordnungsamt der Stadtverwaltung Bautzen und den Sachverständigen
für bautechnischen Brandschutz statt.
Mit einem Festakt und der anschließenden Premiere "Der Sturm"
von William Shakespeare wurde das rekonstruierte große Haus am 17. Februar
2006 feierlich eröffnet. Die sorbische Eröffnung fand am 4. März ebenfalls
mit einem Festakt und der Premiere "Šwanda dudak - abo Hosèina dŸiwich
žonow" (Schwanda der Dudelsackspieler oder Das Gastmahl der wilden
Frauen) statt.
Die Spielzeit 2006/2007 startete am 24. September mit einem überaus erfolgreichen “Tag der offenen Tür”. Zum ersten Mal in der über 200jährigen Geschichte stehen dem Theater zwei eigene, moderne Spielstätten, eine neu gebaute und eine rekonstruierte, zur Verfügung und damit beste Bedingungen. Ebenfalls zum ersten Mal fand der Bühneball 2006 tatsächlich auf der Bühne des großen Hauses statt. Eine Premiere im doppelten Sinn.
Einen besonderen Höhepunkt bildete im November die Uraufführung der Komödie “Zloty palc” von Jurij Koch, anlässlich seines 70. Geburtstages.
2007
Begeisterte kleine und größere Besucher nutzen die zahlreichen Angebote des Puppentheaters im gesamten Kulturraum. Besonders groß ist die Nachfrage nach Puppentheater für die Jüngsten. Am 4. Februar feierte eine Inszenierung für Zweijährige Premiere: „Frau Sonne und Herr Mond machen Wetter“, die weit über die regionalen Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgte. Im März wurde außerdem zum 175 Mal!! „Familie Gelbschnabel“ und im Mai zum 180. Mal!!! „Peter und der Wolf“ gezeigt.
Am 14. Mai wurde im Kreisausschuss das Ergebnis einer Organisationsuntersuchung zum Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen 2007 vorgestellt. Der Landkreis als Träger hat das Gutachten zur Untersuchung der Organisation, zu Angebot und Produktionen des Hauses und den Vergleich mit Strukturen an anderen Häusern in Auftrag gegeben. Es sollte klären, inwieweit die betrieblichen Ressourcen den aktuellen Anforderungen genügen. Bei dem Gutachten handelt es sich um eine explizite Untersuchung und Analyse der Aufgaben, Struktur und Leistungen des DSVTh, notwendige Haushaltsmittel werden nach qualitativen und quantitativen Aspekten beurteilt. Kernaussagen des Gutachtens: „Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen ist ein vergleichsweise hoch effizientes Haus, das die satzungsgemäßen Aufgaben auch ökonomisch ausgezeichnet erfüllt.“ Im Vergleich mit sieben anderen deutschen Theatern zeigt sich, dass es in Bautzen eine effiziente Personal- und Produktionsstruktur gibt, einen extrem hohen Besucheranteil Kinder und Jugendlicher, hohe Eigeneinnahmen und einen niedrigen Zuschuss pro Besucher. Eine Finanzausstattung mit gekürztem Zuschussniveau sei, laut Gutachter, „der Anfang vom Ende“. Ohne volle Zuschüsse kann der Spielbetrieb im bisherigen Umfang und in ähnlicher Qualität nicht aufrecht erhalten werden. Fazit des Gutachters: „Man wird sich schwer tun, ähnlich erfolgreiche Theater noch einmal zu finden.“ Schluss-Satz des Gutachters: „Herzlichen Glückwunsch zu diesem Theater“
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen gastierte am 17. Juni im Rahmen des Internationalen Musiktheaterfestivals „Dokoran“ im tschechischen Brno mit „Die Dreigroschenoper“.
Zum 12. Bautzener Theatersommer begeisterte vom 28. Juni bis 5. August „Der Kapitän vom Tenkesberg“ die Zuschauer im Ortenburghof.
Die Spielzeit 2007/2008 wurde mit einem Premierenwochenende und dem Tag der offenen Tür eröffnet. Die erste Premiere „Der goldene Finger“ von Jurij Koch war eine Uraufführung anlässlich des 70. Geburtstages des lausitzer Autors. Die Puppentheaterinszenierung „Frau Sonne und Herr Mond machen Wetter“ gastierte im Oktober beim Festival "100, 1.000, 1.000.000 Geschichten" des Teatrul Ion Creanga im rumänischen Bukarest. Ein großes Kunst-Fest wurde anlässlich der 50. Vorstellung „Kunst“ von Yasmina Reza am 25. November 2007 gefeiert.
2008
Mit der letzten Vorstellung des diesjährigen Bautzener Theatersommers „Der Vogelhändler“ am 3. August endete die Spielzeit 2007/2008. 29.600 Besucher sahen die Veranstaltungen des Theatersommers. Auch die zurückliegende Spielzeit beweist, dass die Ostsachsen das Bautzener Theater schätzen. 941 Vorstellungen in 11 Monaten zeugen einerseits von der Leistungsstärke des Schauspiel- und Puppenspiel-Ensembles, die Auslastung von rund 83,5 Prozent von der Beliebtheit der zweisprachigen Bühne. Auf gleichbleibend hohem Niveau befinden sich auch die Besucherzahlen. 145.000 Besucher ließen sich die Veranstaltungen im großen Haus, im Burgtheater sowie im gesamten Kulturraum und manchmal auch darüber hinaus nicht entgehen. Mit 356 Vorstellungen und 27.121 Gästen hat das Puppentheater alle bisherigen Besucherrekorde geschlagen. Und das bei einer Auslastung von 94,5 Prozent! Soviel, wie noch nie!
Mit der Spielzeit 2008/2009 übernahm Therese Thomaschke die künstlerische Leitung des Puppentheaterensembles.
Vom 19. bis 26. September fanden die „5. Sächsischen Literaturtage“ unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Ministerpräsidenten im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien statt. Allein in Bautzen luden 15 Veranstaltungen zum Lesen, Hören, Staunen und Mitmachen ein. Aktionen wie „Buch-sucht-Leser-sucht-Buch“, Lesepfad, Sorbische Literaturkirmes oder der 1. Bautzener Hörspielbaum vor dem Burgtheater begleiteten die Literaturtage. Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange übergab am 24. September den „Literaturförderpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst“ im Bautzener Burgtheater an die Dresdner Schriftstellerin Undine Materni.
Am 22. September 2008 begann der zweite Bauabschnitt am großen Haus: „Ausbauten, Magazin, Sozietät“. Noch im September wurde die Baugrube für das Magazingebäude im Hof ausgehoben. Im Herbst 2009 soll dieses fertiggestellt sein, danach beginnen die Sanierungs- und Umbauarbeiten am historischen Altbau, der Sozietät. Dieses Gebäude wird komplett entkernt, lediglich die Außenmauern bleiben stehen. Im Erdgeschoss entstehen zwei Probebühnen und die Kantine, ins Obergeschoss ziehen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Herbst 2010 die Intendanz, die Verwaltung, die künstlerische Leitung und Dramaturgie.
2009
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2008 zurück. 145.636 Gäste besuchten im vergangenen Jahr 1001 Veranstaltungen. Das entspricht einer Auslastung von 82,30 Prozent. Gegenüber 2007 wurden sogar 53 Veranstaltungen mehr angeboten.
Im Januar 2009 war Volker Braun zu Gast bei der „Lausitzer Literatur vorMittag“ und las aus seinem neuesten Buch „Machwerk“. Als Dank für alle Sponsoren des Theaters fand Anfang Februar eine Dankeschönveranstaltung gemeinsam mit dem BVMW statt.
Wie schreibst DU Freiheit? fragten das DSVTH und die Gedenkstätte Bautzen Jugendliche in ganz Ostsachsen im Rahmen eines Schüler-Schreibwettbewerbes. Zur Jury gehörten: Christian Schramm, Oberbürgermeister Bautzen; Lutz Hillmann, Intendant DSVTh; Silke Klewin, Leiterin der Gedenkstätte Bautzen; Andreas Nowak, Schlagzeuger von „Silbermond“; Thomas Rosenlöcher, Dichter; Kajetan Dyrlich, Journalist und Autor. Der Schreibwettbewerb entstand in Zusammenhang mit der Uraufführung „Antigone in Bautzen”, die im April in der Gedenkstätte Bautzen Premiere feierte.
Eine sorbische Uraufführung wurde im März im großen Haus gefeiert: “W sæinje swìèki”. Am 23. März zeigten zum 10. Schüler-Welt-Theatertag theaterbegeisterte Schüler aus ganz Ostsachsen ihr Können auf allen verfügbaren Bautzener Bühnen.
Vom 2. bis 5. April fand im Burgtheater das 2. Sächsisches Puppentheatertreffen statt. Beteiligt waren das Figurentheater Chemnitz am Theater Chemnitz, Theater der Jungen Welt Leipzig, Puppentheater Zwickau am Theater Plauen-Zwickau sowie das Puppentheater Dresden am Theater Junge Generation. Für dieses viertägige Treffen gab es eine besondere Idee. Jedes der fünf Puppentheater bekam eine verschlossene Kiste, in die von einem Bühnenbildner gleiche Dekorationen, Gegenstände und Puppen, im besten Sinne Material, gepackt wurden. Niemand kannte bis zum Probenbeginn den Inhalt. So entstanden unter dem Titel „Die Box“ fünf ganz unterschiedliche Theaterstücke für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Am 1. Mai feierte „Die Spreewaldoperette“ Uraufführung – eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Sorbischen National-Ensemble mit viel Musik, Tanz und Gesang. Zum ersten Mal in der Bautzener Theatersommer-Geschichte wurden 2009 zwei verschiedene Inszenierungen des Gespenstes von Canterville angeboten. „Das Gespenst von Canterville“ richtete sich an Schüler und Familien. Abends begeisterte „Canterville – Ein Musical“ das Publikum.
Mit der Premiere „Fettes Schwein" von Neil LaBute am 28. August begann die Spielzeit 2009/2010 so zeitig wie selten. Bereits im September folgten drei weitere Premieren. Der Beitrag des DSVTh zu 20 Jahren friedliche Revolution fand am 9. Oktober im großen Haus statt:
„Herbsthoffnung.Bautzen 89 „Wir treten aus unseren Rollen". Mit Video-Ausschnitten von Inszenierungen wie „Diktatur des Gewissens" oder „Revisor oder Katze aus dem Sack" mit umfangreichem Text- und Bildmaterial und mit einer Podiumsrunde von Zeitzeugen blickten wir zurück. Neben den Bautzener Theaterpersönlichkeiten Michael Lorenz, Lutz Hillmann, Miroslaw Nowotny und Eveline Günther stand auch der ehemalig Theaterintendant Jörg Liljeberg Rede und Antwort.
Am 18. Oktober passierte das, was sich kein Theater wünscht: eine Stunde, bevor die Premiere „Der Froschkönig" beginnen sollte, löste die Sprühflutanlage auf der Bühne aus. Rund 30.000 Liter Wasser wurden binnen Minuten freigesetzt. Die Schadenssumme liegt im sechsstelligen Bereich. Glück im Unglück: bereits am 23. Oktober hob sich der Premierenvorhang für den „Froschkönig" wieder.
Vom 5. bis 10. November war Bautzen Gastgeber des „Sächsisch-Tschechischen Theaterherbstes"unter dem Motto „Liebe und Tod". Die Begegnung sächsischer und tschechischer Theater (Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Nordböhmisches Opern- und Ballett-Theater Ustí n.L., Theater der Vielfältigkeiten Most, Schauspielstudio Ústí n.L., Westböhmisches Theater Cheb, Eduard-von-Winterstein Theater Annaberg-Buchholz Mittelsächsisches Theater Freiberg/Döbeln, Kinder- und Jugendtheater Theater Burattino Stollberg, Das ziemlich große Theater Litvínov, Theater Plauen-Zwickau gGmbH) führte zu einer breiten und partnerschaftlichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Dabei entstanden aus kulturellen Unterschieden und verschiedenen Theatertraditionen neue Partnerschaften.
Zum zweiten Mal in der Geschichte des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen traten ab dem 11. Dezember allabendlich die Schauspieler nach der Vorstellung im großen Haus aus ihren Rollen und verlasen einen selbst verfassten offenen Brief. Anlass war ein Gutachten, dass die Stiftung für das sorbische Volk (der Stiftungsrat) in Auftrag gegeben hat, in dessen Folge die jahrzehntelange und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen deutschen und sorbischen Theaterschaffenden in Frage gestellt wird. Bis Jahresende bekundeten über 1700 Zuschauer ihre Zustimmung auf ausliegenden Unterschriftenlisten.
Besucherrekord im Dezember: 91,52 Prozent!!! Das ist die Auslastungszahl der Veranstaltungen im Bautzener Theater im Monat Dezember. Allein im Dezember fanden 142 Vorstellungen statt! (im Vergleich 2008: 134) Die Auslastung betrug 91,52 Prozent. Außerdem kann ein Besucherrekord verzeichnet werden: 19 765 Zuschauer ließen sich Theater in nur einem Monat nicht entgehen. Auch insgesamt blickt das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen auf ein erfolgreiches Jahr 2009 zurück. 142.882 Gäste besuchten im vergangenen Jahr 956 Veranstaltungen. Das entspricht einer Auslastung von 80,78 Prozent.
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