Pressestimmen:


Idioten bevorzugt


Die Komödie "Dinner für Spinner" hatte Freitag in Bautzen bei vollem Haus Premiere. Ein Stück zum Lachen für ein begeistertes Publikum - doch mit wenig Tiefgang.

Irmela Hennig schrieb am 21.11.2011 in der "Sächsischen Zeitung"

Gastregisseur Peter Kube ließ die Komödie des französischen Autors Francis Veber Komödie sein. Kombinierte Situationskomik ... ließ seine Schauspieler über die Bühne stolpern, Witze reißen, kalauern und sich in groteske Karikaturen hineinsteigern. Und so viel vorweg: Die Zuschauer honorierten das mit langem lauten Applaus, johlend manche, pfeifend andere. .

Die Geschichte von Pierre Brochant (Olaf Hais), dem Verleger, der sein "ganzes Leben lang geschuftet hat, um keinen billigen Tischwein mehr trinken zu müssen". Der nun verheiratet ist, seine Frau gelegentlich betrügt, sich mit dem besten Freund überworfen hat. Und aus lauter neureicher Langeweile mit Freunden Dinner organisiert, zu denen Fremde eingeladen werden, die irgendwer vorab als Idiot klassifiziert hat. Und über die man sich dann gemeinsam amüsiert. Freilich, ohne dass die Idioten dies merken. Und gute Idioten finden, sei "eine richtige Menschenjagd" sagt irgendwer treffend zu Anfang.

Starke Darsteller

Doch das geplante nächste Idiotendinner platzt, weil Pierre Brochant einen Hexenschuss hat und absagen muss. . Lilly Jung als Brochants Ehefrau Christine gleich zu Beginn für Heiterkeit sorgt als sie den rückenkranken Gatten Huckepack über die Bühne schleppt.
Dann aber sitzt der allein in seinem Haus. Dort ist ein Hauch blauer Himmel auf die weißen Wände getüncht, die die Bühne nach drei Seiten umschließen. Ein weißes Sofa, Couchtisch, Hocker, rechts die Bar mit einer Flasche Wasser und viel Alkohol. Sonst Leere, die auch nach außen strahlt. Und - von Gastausstatter Jens Büttner gestaltet als wunderbare Satire auf den, der alles hat und damit nichts anzufangen weiß - eine Wohnung vollgestopft mit Kunst. An den Wänden hängt ein Bild neben dem anderen, grellbunte moderne Werke. In den Ecken teure Vasen, um die sich längst Staub angesammelt hat. Dort also wartet Pierre Brochant auf seinen Gast, dem er nicht rechtzeitig absagen konnte, um ihn ein bisschen auszuhorchen, den Idiotentest zu machen. Und Francois Pignon, der ("welch ein Idiot!") Miniaturen aus abgebrannten Streichhölzern bastelt, kommt. Die Katastrophe als gutherzige Karikatur mit zu kurzen Hosenbeinen und gemusterten Socken.

Jan Mickan als trotteliger Pignon macht "Dinner für Spinner" zur Komödie. Ganz stark ist er in den Telefonszenen, bei denen er ein Unglück nach dem anderen über seinen Gastgeber herbeitelefoniert. Er redet sich in Rage, redet sich selbst um Kopf und Kragen und sich immer wieder hinein in die Rollen, die er am Apparat spielen soll. Überzeugt sich selbst, Fußballfan, Filmproduzent oder bester Freund zu sein, dass ihm sogar das Publikum einen Moment lang glauben muss. Jan Mickan ist mit Abstand der stärkste Schauspieler dieser Inszenierung.

Auf den Punkt grotesk auch der kurze Auftritt von Lucien (Mirko Brankatschk), dem besten Schnüffler vom Finanzamt, der wenig Worte braucht und mit viel Mimik und überzeugend skurriler Gestik die tragikomische Figur beschreibt, die Lucien ist. Erfolgreich im Job und gehörnt im Privatleben. Olaf Hais als immer mehr aus seiner spöttisch-coolen Rolle gedrängter Gastgeber überzeugt vor allem, wenn sich bei ihm Wahnsinn und Verzweiflung mischen. Wenn er droht, den Kampf um seine Frau und gegen den Chaoten Francois zu verlieren.

"Dinner für Spinner" funktioniert als Komödie, als das Unterhaltungsstück, das es sein will. Und als Gesamtwerk - bei dem auch ein Blick ins Programmheft lohnt. In dem Männer und ihre Hobbys humorvoll aufs Korn genommen werden. Mit einer Hitliste jener Freizeitbeschäftigungen, die Frauen an Männern toll finden (Kochen, Theater, Fitness) und die sie ganz und gar nicht mögen (Fahrzeugtuning). Und in dem man erfährt, dass auch in der Oberlausitz Miniaturen aus Streichhölzern gebastelt werden - ausgestellt im Theaterfoyer.

Unterhaltung für alle, die herzhaft lachen wollen.