Pressestimmen:


Der Mäusiker ... und die Spinnenfrau

Miriam Schönbach schrieb am 14.10.2011 in der "Sächsischen Zeitung":
Der Mäusiker ... Von Miriam Schönbach

Die Riesenhaselnuss in der Kulisse lässt Jonas Lauenstein links liegen. Dann wischt er sich den Schweiß von der Stirn und rückt am Kostüm den Mäuseschwanz gerade. Fünf Stunden Tanzen, Singen, Akrobatik und Textstudium liegen an diesem Morgen bereits hinter ihm. Jetzt zerzaust sich der Schauspieler die blonden Haare. Durchatmen nach der Probe. Anton heißt seine Rolle im "Mäuse-Musical" von Gertrud und Thomas Pigor. Am Sonntag hat das Stück in Bautzen Premiere.

Für Jonas Lauenstein ist es die erste Rolle am Deutsch-Sorbischen Volkstheater. Und der 24-Jährige sieht sie als perfekten Einstieg: "Schließlich verbindet das Stück die anspruchsvollsten Formen des Theaters miteinander - das Musical und das Spiel für Kinder."

Eine große Sehnsucht

Sein "Anton" ist gerade einmal 63 Tage auf der Welt. Und schon hat er nur einen Traum. Lieber früher als später möchte er Mäusiker werden. Dafür übt er fleißig auf der Geige. Diese Sehnsucht kann Jonas Lauenstein gut verstehen. "Ich wollte auch immer Schauspieler werden", sagt der gebürtige Berliner. Die Ernsthaftigkeit des Handwerks erlebte er bereits bei seiner Großmutter. Tilly Lauenstein (1915-2003) synchronisierte unter anderem Katherine Hepburn, Ingrid Bergmann und Bette Davis. Jonas Lauenstein hört seine Großmutter zum ersten Mal bewusst als alte Hexe "Mania" in den beliebten Bibi-Blocksberg-Hörspielen. Später spielt er in der Schule in der Theater-AG, 2008 beginnt er am Europäischen Theaterinstitut Berlin mit dem dreijährigen Studium. Nach sechs Monaten Theorie und Üben auf der Probebühne stehen die Studenten erstmals vor Publikum.

"Ich war unglaublich aufgeregt. Aber inzwischen liebe ich das Lampenfieber, diese schöne Angst", sagt der Schauspieler. Nach Bautzen kommt er durch den Tipp einer Mit-Studentin. Er spricht den Moritz Stiefel vor aus Wedekinds "Frühlings Erwachen", seinem Lieblingsstück. Einen Tag später erhält er im Fitnessstudio einen Anruf mit der Zusage.

Jonas Lauenstein sieht das Engagement als Herausforderung: Das tägliche Spiel für Zuschauer, die täglichen Proben - diese Arbeit am Stück genießt der junge Schauspieler. Am Theater ist jeder Tag anders, bringt neue Aufgaben - und sei es als "Anton" im Handstand über die Bühne zu laufen.

und die Spinnenfrau

Eines merkte Anna Marie Lehmann rasch: Acht Beine sind eindeutig zu viel. Bei den ersten Proben zu "Anton - Das Mäuse-Musical" verhedderte sie sich immer wieder in den zusätzlichen Beinen ihres Spinnen-Kostüms. Kurz vor der Premiere am Sonntag ist von dieser Unsicherheit aber nichts mehr zu spüren. Die junge Schauspielerin krabbelt gekonnt durch das überdimensionale Netz auf der Bühne. "Im Stück bin ich die Erzählerin, habe eher die beobachtende Funktion", sagt die 25-Jährige. Das sympathische, manchmal weise, Krabbeltier ist ihre erste Rolle am Bautzener Theater.

Anna Marie Lehmann zieht sich die Mütze weit in die Stirn über die langen Haare. Dunkle Wolken türmen sich am Himmel. Bautzen fühlt sich anders an als ihre langjährige Heimatstadt Berlin. "Aber es gibt doch Ähnlichkeiten, wie den Humboldthain. Der erinnert mich an den Volkspark in Berlin, wo ich immer joggen gegangen bin." Nach ihrem dreijährigen Studium am dortigen Europäischen Theaterinstitut tourte sie 2010 mit dem Kindermusical "Der kleine Zahlenteufel" durch die Grundschulen in Deutschland.

Während der Tournee erreicht sie ein Anruf aus Bautzen: eine Einladung zum Vorsprechen. Unheimlich nervös reist Anna Marie Lehmann an die Spree. Im Theater fällt alle Spannung ab. Sie hat unter anderem die Luise aus "Kabale und Liebe" vorbereitet. Am Ende des Tages unterschreibt sie das Engagement. - "Ich hatte als Kind immer viel Fantasie. Auf die Idee, Schauspieler zu werden, wäre damals trotzdem nicht gekommen", sagt die Neu-Bautzenerin. Erst in der zwölften Klasse entdeckt sie die Leidenschaft. Der Literaturkurs inszeniert den "Sommernachtstraum".

Nach drei Vorstellungen haben alle Mitspieler die Nase voll, nur nicht Anna Marie Lehmann. Stattdessen beginnt sie sich für den Beruf zu interessieren und absolviert Regiepraktika an den Schauspielhäusern in Dessau und Osnabrück. Sie will sehen, ob die Arbeit und das Leben am Theater ihrer Vorstellung entspricht.

Die ersten Zweifel sind längst weggewischt. "Ich stehe am Anfang eines Berufs, bei dem immer mit Abenteuern zu rechnen ist", sagt sie. Das sichere Netz - wie die Spinne im Musical - sucht die Darstellerin nicht. Ein Grundsatz ist ihr aber wichtig: Was man tut, muss man mit Leidenschaft tun. (ms)

"Anton - das Mäuse-Musival", Premiere am Sonntag um 15Uhr im Bautzener Theater, großes Haus. Kartentelefon 03591 584-225.

www.theater-bautzen.de

Sächsische Zeitung, 14. Oktober 2011


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geändert: am 14.10.2011 um 14:09 Uhr.