Pressestimmen:


Konflikt aus weißem Wahnsinn

Gerhard Fugmann schrieb am 25.02.2002 in der "Sächsischen Zeitung":

Serge hat sich für schlichte 200 000 Franc ein Bild gekauft. Er führt es seinem Freund Marc mit der inneren Rührung eines fündigen Schatzgräbers vor, glücklich über diesen Besitz, stolz auf sich und das Erworbene. Serge möchte dem Freund jedes Detail der Kaufhandlung als raffinierten Schritt cleveren Kunsterwerbs vermitteln. Doch Marc ist entsetzt ob der euphorischen Verzückung. Das Bild ist weiß. Ganz weiß! Und es soll ein Schnäppchen sein! Marc kann das nicht fassen und sich nur schwer beherrschen. In aufreizender Betonung wiederholt er die Maße von 160 auf 120, beschreibt das als Kunst definierte Werk mal ironisch und mal sarkastisch als weißen Wahnsinn... Was Marc nun aber absurd erscheint, nimmt der mit seiner bevorstehenden Hochzeit gestresste Freund Yvan eher gleichgültig auf. Er hält sich mit Urteilen sehr zurück, versucht dagegen, zwischen den beiden zu vermitteln. Sichtlich vergnügt agierende Darsteller So jedenfalls ging die Sache am Freitagabend los, heiter von Anfang an, zunehmend aufschlussreich, immer weniger harmlos, immer persönlicher, grotesker. Dieses für absurd erklärte Bild bedroht eine langjährige Freundschaft zwischen Männern. Nur die Zuschauer reagieren je nach Gemütsart amüsiert lächelnd bis herzhaft lachend. Die Komik ist im Konflikt begründet, in Situationen und Verhaltensweisen. Und wo sie Klischees bedient, ist die Autorin noch einfallsreich genug, böse Schwiegermütter etwa durch schwierige Stiefmütter zu ersetzen und Götz Schweighöfer als Heiratskandidat Yvan zu effektvollem Monolog zu verhelfen. Wie sich überhaupt der Erfolg der Komödie durch Darsteller begründet, die sichtlich vergnügt agieren. Doch dieses Stück lebt zuerst von der Kunst der Akteure, ihren Fundus an mimischem Handwerkszeug so gekonnt einzubringen, wie Lutz Hillmann, der den Kunstliebhaber Serge mit heiter tändelndem Schritt oder mit einem vorgestreckten Finger, der Bewegung einer Augenbraue oder mit einem seinen inneren Aufruhr verbergenden Lächeln detailreich gestaltet. Oder Rainer Gruß, der den verbissen eifernden Marc zu klarer Gestalt führt. Ob der als süßlich bezeichnete Ton auch süßlich klingt, wäre abzuwägen, wie manche andere Nuance auch. So agieren die Männer temperamentvoll, wenn es sein muss, und mitunter muss das sein. Geraten sie dabei ins Schwitzen, oder sagen wir, sie transpirieren, ist das weder komisch noch nötig und natürlich kaum der Rede wert, weil das dem Vergnügen nichts an nachhaltiger Wirkung nimmt. Da könnte Düwell der Etikette schon leicht Türen öffnen. Oder Katharina Lorenz (Ausstattung) schafft Abhilfe, die mit wenig Elementen dem Handlungsort dezent widersprüchliche Noblesse verleiht und Serges Kunsterwerb zur vergleichsweise naturalistischen Landschaft und einem lebensprallen Akt ordnet. Aber nicht so sehr der Zweifel am Wert einer Abstraktion in Weiß führt Düwells Gastinszenierung zum Erfolg, sondern seine straffe, psychologisch einfühlsame Regie, die auch den sprachlichen Genuss nicht überspielt. Es ist die köstlich humorvolle Dramatik, in der ein fast banaler Streit um Kunst leise, aber deutlich zum Spiegel unseres Verhaltens gerät und Heiterkeit auslöst, wo verbissen um Haltungen gerungen wird.


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geändert: am 14.10.2011 um 14:09 Uhr.