Angst essen Seele auf

von Rainer Werner Fassbinder
Eine sozialdramatische Show aus dem Puppentheater
1 h 55 min, inkl. Pause
ab 16 J.
Die verwitwete Putzfrau Emmi sucht der Einsamkeit und dem Regen zu entkommen und betritt eine Kneipe, aus der fremde Musik nach draußen dringt. Hier fordert sie der sehr viel jüngere marokkanische Gastarbeiter Ali zum Tanz auf.
Die beiden verlieben sich, finden Halt aneinander und heiraten. Doch Emmis Liebesglück stößt auf Ablehnung und Unverständnis. Sie sieht sich rassistischen Anfeindungen, abschätzigen Blicken und hässlichem Gerede ausgesetzt.
Als sich schließlich das soziale und familiäre Umfeld aus eigennützigen Gründen zur Akzeptanz durchringt, droht Gefahr von einer anderen Seite: Emmi wird übergriffig und bevormundend, während Ali sich in die Schweigsamkeit flüchtet.
Das Gefühl der Fremdheit, eigene Ängste und Zweifel beginnen die Liebe zu zerfressen.

Rainer Werner Fassbinders preisgekrönter Film „Angst essen Seele auf“ aus dem Jahre 1974 legt verschiedene Formen (alltagsrassistischer) sozialer Unterdrückung offen. Er zeigt, wie der Einzelne in der Gemeinschaft erblühen, aber auch vernichtet werden kann.
In den Momenten der Liebe aber erfüllt sich für kurze Zeit die Utopie eines beglückenden, lebendigen Miteinanders.

Inszenierung

Regie, Ausstattung: Jan Müller
Dramaturgie, Theaterpädagogik/Bürgerchor:
Puppen: Jan Müller
Musik:
Premiere: 4./5. Oktober 2019, Burgtheater, großer Saal

Termine

19.12.2019 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal Karten bestellen
16.01.2020 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal Karten bestellen
21.02.2020 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal Karten bestellen
28.03.2020 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal
29.03.2020 um 15:00 Uhr Burgtheater, großer Saal
26.04.2020 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal
06.06.2020 um 19:30 Uhr Burgtheater, großer Saal

Rollen

Emmi:
Barbara:
Tochter, Nachbarin:
Ali:
Schwiegersohn, Ladenbesitzer:
Theaterpädagogik/Bürgerchor: Bronwyn Tweddle
Bürgerchor, alternierend:
Presse:

Das Bautzener Puppentheater bringt den Fassbinder-Stoff in der Regie von Jan Müller in einer ungewohnten Stilistik auf die kleine Bühne des Burgtheaters. Mit Tischpuppen und sogenannten Kaukautzkys – das sind Puppen, die den Kopf des Schauspielers nutzen – wird dieses Stück als sozial-dramatische Show aufgeführt, mit einem Bürgerchor als Bindeglied zwischen Handlung und Publikum. Im engeren Sinne geht es um die Liebe zwischen einem Gastarbeiter und einer älteren deutschen Frau, im weiteren Sinne um Rassismus, Vorurteile und Courage. ... Die beiden sind von allerlei Missgunstmenschen umgeben: von tratschenden Nachbarinnen, ekligen Ladenbesitzern, rassistischen Vermietern. Figuren, die vom Puppentheaterensemble in Mehrfachrollen überzeugend performt werden. Beeindruckend, wenn die Darsteller zu den Kaukautzkys greifen. Dann wird die Handlung wuchtiger, bekommt sie, zum Beispiel, als Ali an einem Magengeschwür erkrankt, mehr emotionalen Tiefgang.
Rainer Könen, Sächsische Zeitung

Und Fassbinders Stück trägt. Emmi lernt, sich durchzusetzen, auch gegen ihre Kinder. Ali lernt Deutsch, wird aber, vor allem vom feisten Lebensmittelhändler, bewusst missverstanden oder bekommt Antworten in noch schlechterem Deutsch. Zwischendurch taucht, unter einem alten Baum, ein Philemon-und-Baucis-Motiv auf, das sich am Ende wiederholt, als schon klar ist, dass es sich für Emmi und Ali nicht erfüllen wird. Das alles stimmt und berührt.
Ute Grundmann, www.die-deutsche-buehne.de


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