Böhmisches Paradies

von Jaroslav Rudiš
Deutsche Erstaufführung, Deutsch von Mirko Kraetsch
Bühnenfassung von Stefan Wolfram und Eveline Günther
2 h 50 min, inkl. Pause
Jaroslav Rudiš ist der derzeit in Deutschland bekannteste tschechische Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor und Publizist. Sein Stück „Warten aufs Ende der Welt“ spielt in einer Sauna, genauer gesagt – in einer MÄNNERSAUNA. Dort treffen sich wöchentlich Männer unterschiedlichen Alters und unterschiedlichster Berufe zum gemeinsamen Schwitzen und Schwatzen. Verhandelt werden natürlich alle Themen, die Männer so beschäftigen – Frauen, Autos, Politik, Gesundheit... Das Bautzener Theater entwickelt gemeinsam mit dem Autor eine eigene deutsche Spielfassung des bisher nur in tschechischer Sprache vorliegenden Textes, die dann als Deutsche Erstaufführung in Bautzen zur Premiere gebracht wird.
Der am 8. Juni 1972 im nordböhmischen Turnov geborene Autor studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik in Liberec, Zürich und Prag, bevor er mit einem journalistischen Stipendium nach Berlin an die Freie Universität kam. Seit 2002 hat er einige Romane veröffentlicht, sowie zahlreiche Theaterstücke, Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele, Opernlibretti und Essays in überregionalen deutschsprachigen Zeitungen.
Jaroslav Rudiš zeichnet in seinen Texten mit Ironie und feinem Gespür für die Alltagsängste der Menschen die Gesellschaft anhand von besonderen Typen, die häufig Opfer tragikomischer Ereignisse sind. Dabei begibt er sich gern in den Untergrund und an die Ränder von Orten, Zeiten und Leben, um einen umso schärferen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. So sind seine Bücher cool, witzig, kritisch, politisch, poetisch, widerständig, anti-bürgerlich, berührend und verführerisch – kurzum: literarischer Rock’n’ Roll.

Inszenierung

Regie:
Dramaturgie:
Ausstattung: Katharina Lorenz
Kostüme: Katharina Lorenz
Premiere: 15. Februar 2019, großes Haus

Termine

Rollen

Einer, der kurz vor der Rente steht und dann in Rente ist:
Einer, der Taxi fährt:
Einer, der bei der Feuerwehr ist:
Einer, der nichts sehen kann:
Einer, dem die Frau gestorben ist:
Einer, der Versicherungen verkauft:
Einer, der Tischtennis-Bezirksmeister war:
Einer, der Facharzt für Frauenleiden ist: Horst Damm
Einer, der mit Autos handelt:
Einer, der am allerjüngsten ist:
Saunawärterin: Stephanie Brückner
Weibliche Stimme:
Presse:

Zehn Männer in der Sauna, nur mit Badetuch bedeckt. Sie lassen die Seele baumeln, schwitzen und stöhnen und schwatzen. Die Sauna: ihr Stammtisch, Beichtstuhl und Heiligtum. ... Das Stück ist mit viel Humor und ironischem Verständnis für die Schwächen des „starken Geschlechts“ geschrieben. Das Publikum hat seine helle Freude daran. ... Die Aufführung ist mit leichter Hand inszeniert, voller Fantasie und Poesie. ... Was für eine Gesellschaftsutopie in unserer zerstrittenen, verfeindeten Welt!
Rainer Kasselt, Sächsische Zeitung

Oliver Hach schreibt in der Freien Presse aus Chemnitz: Das Stück sei "eine Kollektivleistung, dramaturgisch nicht einfach, wenn bis zu zehn Leute durcheinander reden". Das Theater in Bautzen habe einen Stoff inszeniert, der "auf intelligente Weise dem Zeitgeist" nachspüre, "den Freuden und Leiden in der realen Männerwelt". Eine "Mischung aus feinstem tschechischem Humor und ein wenig Melancholie". Das sei "Volkstheater im besten Sinne". Freuden und Leiden in der realen Männerwelt". Eine "Mischung aus feinstem tschechischem Humor und ein wenig Melancholie". Das sei "Volkstheater im besten Sinne".

Stefan Petraschewsky sagte auf MDR Kultur: Beim Bühnenbild handele es sich um einen stark abstrahierten, wie aus großen Lego-Steinen gebauten, "riesigen liegenden Frauenkörper". Bei den zehn Männern könne man an "Raben denken, die auf Ästen herumsitzen und über ihr Tagwerk berichten". Die Inszenierung habe eine "sehr poetische Seite", das Dunkelblau des Raumes um den Frauenkörper erinnere an "ein Universum", die Frauenstimmen aus dem Off, die Mondarie der Putzfrau – "eine Art 'Der kleine Prinz'-Ästhetik, oder auch 'Warten auf Godot'". Es sei immer auch ein Stück über das Warten, "in der großen Tradition des absurden osteuropäischen Theaters". Regisseur Stefan Wolfram wolle vor allem den Text präsentieren, das sei angemessen einer Uraufführung.

Kaum ist Jaroslav Rudiš mit seinem ersten auf Deutsch geschriebenen Roman "Winterbergs letzte Reise" (erscheint am 25. Februar 2019) für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, schon hat das Deutsch Sorbische Volkstheater Bautzen die Uraufführung von "Böhmisches Paradies" wenige Tage später auf dem Spielplan – ein Glücksgriff!
Kornelius Friz, nachtkritik


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