Böhmisches Paradies

von Jaroslav Rudiš

Deutsch von Mirko Kraetsch

Uraufführung

Jaroslav Rudiš ist der derzeit in Deutschland bekannteste tschechische Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor und Publizist. Sein Stück „Warten aufs Ende der Welt“ spielt in einer Sauna, genauer gesagt – in einer MÄNNERSAUNA. Dort treffen sich wöchentlich Männer unterschiedlichen Alters und unterschiedlichster Berufe zum gemeinsamen Schwitzen und Schwatzen. Verhandelt werden natürlich alle Themen, die Männer so beschäftigen – Frauen, Autos, Politik, Gesundheit...
Das Bautzener Theater entwickelt gemeinsam mit dem Autor eine eigene deutsche Spielfassung des bisher nur in tschechischer Sprache vorliegenden Textes, die dann als Deutsche Erstaufführung in Bautzen zur Premiere gebracht wird.
Der am 8. Juni 1972 im nordböhmischen Turnov geborene Autor studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik in Liberec, Zürich und Prag, bevor er mit einem journalistischen Stipendium nach Berlin an die Freie Universität kam. Seit 2002 hat er einige Romane veröffentlicht, sowie zahlreiche Theaterstücke, Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele, Opernlibretti und Essays in überregionalen deutschsprachigen Zeitungen.
Jaroslav Rudiš zeichnet in seinen Texten mit Ironie und feinem Gespür für die Alltagsängste der Menschen die Gesellschaft anhand von besonderen Typen, die häufig Opfer tragikomischer Ereignisse sind. Dabei begibt er sich gern in den Untergrund und an die Ränder von Orten, Zeiten und Leben, um einen umso schärferen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. So sind seine Bücher cool, witzig, kritisch, politisch, poetisch, widerständig, anti-bürgerlich, berührend und verführerisch – kurzum: literarischer Rock’n’ Roll.

Inszenierung

Regie: Stefan Wolfram
Premiere: 15.02.2019
Bühne: großes Haus
Bühne und Kostüme: Katharina Lorenz a.G.

Termine

07.04.2019 um 15:00 Uhr großes Haus Bautzen, Hauptbühne Karten bestellen
18.04.2019 um 19:30 Uhr großes Haus Bautzen, Hauptbühne Karten bestellen
10.05.2019 um 19:30 Uhr großes Haus Bautzen, Hauptbühne Karten bestellen
18.05.2019 um 19:30 Uhr großes Haus Bautzen, Hauptbühne Karten bestellen

Rollen

Einer, der kurz vor der Rente steht und dann in Rente ist: Einer, der Taxi fährt: Einer, der bei der Feuerwehr ist: Einer, der nichts sehen kann: Einer, dem die Frau gestorben ist: Einer, der Versicherungen verkauft: Einer, der Tischtennis-Bezirksmeister war: Einer, der Facharzt für Frauenleiden ist: Einer, der mit Autos handelt: Einer, der am allerjüngsten ist: Saunawärterin: Weibliche Stimme:
Presse:

Das Stück ist mit viel Humor und ironischem Verständnis für die Schwächen des „starken Geschlechts“ geschrieben. Das Publikum hat seine helle Freude daran. Die Wehwehchen auf der Bühne kommen den Zuschauerinnen allzu bekannt vor. Jaroslav Rudis, 46, hat einen Nerv für die Befindlichkeiten und Alltagssorgen der Menschen. ... Die Aufführung ist mit leichter Hand inszeniert, voller Fantasie und Poesie....

Das fast vollständig vertretene Männer-Ensemble des Bautzener Theaters ist durchweg passend besetzt. Herausragend Ralph Hensel als philosophierender Rentner, der in der Vergangenheit lebt, sich immerfort neue Krankheiten einredet, über den Freitod nachdenkt und für kurze Zeit in der „Klapse“ landet.... Die zwei Jüngsten in der Runde legen einen Badetuchstrip auf die Bretter, der alles verhüllt und noch mehr zeigt. Eine zirkusreife Nummer. Mitreißend, wenn alle Männer einen AC/DC-Rocksong schmettern und sich fröhlich auf den Weg zur Hölle begeben. Bei allen sozialen Unterschieden der Figuren: Wenn es darauf ankommt, halten sie solidarisch zusammen. Was für eine Gesellschaftsutopie in unserer zerstrittenen, verfeindeten Welt!
Rainer Kasselt, Sächsische Zeitung

Und was ist nun mit den ernsten Problemen, die uns Männer beschäftigen? Die Angst vor der ausbleibenden Rente? Und die Renten-Depression? Die Frau, die einen von heute auf morgen verlässt, weil man "nicht mehr elastisch geblieben ist"? Die Schwangere, die nur das gemeinsame Kind will, aber weder heiraten, noch Unterhalt? Die tote Gattin, deren Geruch einfach nicht verschwinden mag? Die Angst davor, zum Arzt zu gehen? Die Angst davor, nicht zum Arzt zu gehen? Die Plauze, die vielleicht von den vielen Pilsnern und dem vielen Futtern kommt, aber bestimmt nicht vom vielen Bumsen? All das wird angetippt, die kleinen und die großen Themen des modernen Mannes.
Kornelius Friz, Nachtkritik

Es gibt also eine sehr poetische Seite, die diese Inszenierung hat - das Dunkelblau des Raumes, das an ein Universum erinnert - die Frauenstimmen aus dem Off, die Mond-Arie. Das ist auch schon so eine Art „Der kleine Prinz“ Ästhetik, oder auch „Warten auf Godot“ - und gibt diesem Text der Kleinbürger und Alltäglichkeiten eine zweite poetische und märchenhafte, philosophische Dimension. ... Natürlich ersetzt die Sauna hier auch die Regionalzeitung. Aber es ist immer auch ein Stück über das Warten. Über das Warten bis zu dem Moment, wo man genug geschwitzt hat und ins kalte Wasser taucht. Das alles macht hier ja auch die Komik aus, den Witz - und Jaroslav Rudiš steht hier auch wirklich in der großen Tradition des absurden osteuropäischen Theaters. Regisseur Stefan Wolfram, der schon die Deutsche Erstaufführung von „Alois Nebel“ in Zittau inszeniert hatte - und seitdem mit Rudis in Kontakt ist - will hier im „Böhmischen Paradies“ vor allem den Text präsentieren. Das ist angemessen für eine Uraufführung, wo es ja um das neue Stück und damit um den Text geht.
Stefan Petraschewsky, MDR Kultur

Den dritten Klugen der Runde, dem man gern zuhört und -schaut, gibt István Kobjela, der eigentlich blind ist,sich die Stimmen aller Menschen merkt, jede Geschichte der Nachbarn kennt, hier bei den zahlreichen Eiswassergängen kurzzeitig sehen kann und auf dem Grund ne Kiste Pilsner Urquell findet: doch mehr mag er gar nicht, so behält er seinen Seelenfrieden. ... Rudiš,gehörig mit Schweijk’schem Humor geimpft, hat hier einfach gut zugehört ... Von Stefan Wolfram, nunmehr bester Rudiš -Regisseur Sachsens, wünscht man sich eigentlich nun dessen Version der Prager „Nationalstraße“. Und vom
Autor eine literarische Wandertour der Saunamännerfrauen durch das „Ceský ráj“, die ruhig rein fiktiv sein darf.
Andreas Herrmann, Dresdner Neueste Nachrichten

So wurde es heiß am vergangenen Freitag in Bautzen. Im Großen Saal des Volkstheaters gingen zehn Männer auf die Bühne, bekleidet nur mit einem um die Hüften gewickelten Handtuch. Zehn Typen, die sich draußen wohl kaum so begegnen würden, die aber in der Sauna regelmäßig beieinander hocken, zu jeder Jahreszeit. Und die manchmal sogar alle Hüllen fallen lassen. ... In der Sauna herrscht Basisdemokratie. Es gibt hier keinen Anführer und auf der Bühne keine Hauptrolle. Das Stück ist eine Kollektivleistung, dramaturgisch nicht einfach, wenn bis zu zehn Leute durcheinander reden. Die Männer lümmeln auf terrassenförmigen Holzpodesten, es könnten Felsen im Böhmischen Paradies sein. Aus der Ferne entdeckt man jedoch: Sie hocken auf einem liegenden Frauenkörper. Überhaupt sind die Frauen in diesem Stück das größte Mysterium. Irgendwo auf der anderen Seite der Sauna hört man sie kichern. Warum piesacken uns die Weiber so? Das fragen sich die Männer. Und was ist eigentlich hinter dieser Wand?
Mit dieser Uraufführung hat das Theater in Bautzen einen Stoff inszeniert ... der auf intelligente Weise dem Zeitgeist nachspürt, den Freuden und Leiden in der realen Männerwelt, in der sich viele Zuschauer irgendwo wiederfinden werden. Eine Mischung aus feinstem tschechischem Humor und ein wenig Melancholie.
Oliver Hach, Freie Presse

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Es war ein schöner Abend. Ein gutes Stück. Ausgezeichnetes Bühnenbild und tolle Kostüme. Ein feinsinniger Humor mit Tiefgang. Ich wünsche Euch viele Zuschauer, ich kann den Abend nur Empfehlen. Eine Reise nach Bautzen lohnt sich!!!!!
Ralf Herzog

Es war ein großer Erfolg, hoffe dass nun alle anderen Veranstaltungen auch ausverkauft werden. Danke an Stefan Wolfram und Eveline Günther natürlich auch an Jaroslav Rudiš. Die Übersetzung von Mirko Kraetsch ist sehr gelungen. ... Ich muss noch hinzufügen, dass auch das Bühnenbild eine wirkliche reife Leistung ist. ... Gelungene Überaschung sozusagen. Eine liegende Frau als Kulisse zu wählen, ist echt genial.
Silvia Linhart

Glückwunsch an das DSVT für diese gelungene Inszenierung! Wir hatten mit dieser liebenswert-philosophischen Hommage an das tschechische Erzählen sehr viel Spaß. Lob an die herausragende Ensembleleistung, das tolle Bühnenbild und die vielen kleinen, gelungenen Regie-Einfälle. Ich wünsche dem Stück viele ZuschauerInnen.
Heinz Hansen aka Robert Lorenz

 

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