Das Herz eines Boxers

von Lutz Hübner
60 min, keine Pause
Zwei Außenseiter, zwei Generationen, eine verrückte Freundschaft.
Jojo ist ein echt cooler Typ mit viel Pech: keine Lehrstelle, keine Freundin, keine Hoffnung. Und dann wird er auch noch auf richterlichen Beschluss hin ins Altersheim abkommandiert und soll dort Wände anstreichen. Er trifft auf Leo, der stumpfsinnig herum sitzt und "die Zähne nicht auseinander kriegt" und gerade dessen Zimmer muss er streichen. Als Jojo dem immer schweigsamen Leo beichtet, dass er den Diebstahl als Freundschaftsdienst auf sich genommen hat, damit sein Kumpel nicht ins Gefängnis muss, "erwacht" Leo und offenbart ihm seine Geschichte: Die des "Roten Leo", der einst große Erfolge als Boxer feierte. Er erzählt Jojo, dass er wegen eines Angriffs auf einen perfiden Pfleger auf die "Geschlossene" verlegt wurde.
Zuerst stehen sie sich noch wie im Ring gegenüber: Der eine Außenseiter in seiner Clique, der andere abgeschoben ins Altenheim. Doch schon bald findet Jojo in Leo einen Freund mit dem großen Herzen eines Boxers, der ihm hilft sein Leben auf die Reihe zu kriegen.
Beide kämpfen gemeinsam für die Verwirklichung ihrer Wünsche und Sehnsüchte und gestalten ihr Leben neu. Eine verrückte Freundschaft beginnt, die das Leben der beiden völlig verändert.
Lutz Hübner ist einer der meistgespielten Autoren auf deutschen Theaterbühnen. "Der Autor erzählt in lebendigen Dialogen von der Lust der beiden Figuren, einander ohne karitatives Motiv bei der Verwirklichung ihrer Träume zu helfen.", heisst es in der Begründung der Jury zur Verleihung des Deutschen Jugendtheaterpreises 1998.

Inszenierung

Regie: Claus Tröger
Ausstattung: Klaus Gasperi
Dramaturgie:
Premiere: 14. Dezember 2018, Burgtheater großer Saal

Presse:

Da klopft der aufgedreht-wirkende Jugendliche Jojo, sehr vital gespielt  von Jurij Schiemann, bei seinen Sozialstunden im Altersheim coole und provokante Sprüche, als er das Zimmer des alten Leo streichen muss. Sitzt der von Jan Mickan dargestellte frühere Boxer scheinbar stumm und von einem vermeintlichen Schlaganfall betroffene, in seinem Rollstuhl. Nicht die geringste Spur von irgendeiner Gemeinsamkeit. ... Fortan verschafft Mickan dem versteckten Lebensgeist seines Charakters zunehmend Raum....
Lutz Hübner, einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker, hat mit "Das Herz eines Boxers" ein Jugendtheaterstück geschrieben, das auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren hat. In der 60-minütigen Aufführung geht es um Freundschaft, um Courage, um die Kunst, sich durchs Leben zu boxen. Und Boxen bietet da nun mal ein prima Bild für all das, was menschliche Schicksale ausmachen. Trögers Inszenierung liefert ein perfektes Sparring für zwei lustvoll agierende Schauspieler. Ihr temperamentvolles Spiel wirkt oft wie ein Boxkampf, nach zögerlichem Abtasten geht es rasch in den Infight, in den Nahkampf, geht es ans Eingemachte. ...
Der Österreicher Klaus Gasperi, der sich für die Ausstattung verantwortlich zeichnet, bietet den Akteuren ein Setting, welches ein wenig an einen Boxring erinnert: ein paar Kartons, weiße Wände....
Man verlässt das Theater in dem Bewusstsein, dass es ein Miteinander, einen Dialog zwischen den Generationen gibt. Irgendwie. Zumindest, wenn man bereit ist, sich zu öffnen und aufeinander zuzugehen.
Rainer Könen, Sächsische Zeitung

 

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