Die Eisbären

von Jonas Gardell
Deutsch von Regine Elsässer
1 h 10 min, keine Pause
An Ilse Wahlgrens Geburtstag gibt es wenig zu lachen und doch amüsieren sich alle prächtig.
Ilse und ihre beiden Töchter Gertrud und Solveig kennen alle Schwachstellen der anderen und wissen sie gezielt einzusetzen. Jede zieht Vergnügen aus den kleinen und großen Boshaftigkeiten, die zum Ritual ihrer Familienfeiern zu gehören scheinen. Doch erst als Ilse die mitgebrachte Geburtstagstorte vernichtet, schlägt die Stunde der Wahrheit. Die Mutter hofft nun auf ihren Sohn Gabriel, ein bekannter Schriftsteller, der nicht zum Geburtstag erschienen ist, weil er parallel zum Fest ein TV-Interview zu seinem neuen Buch gibt. Trotz Streit fiebern die drei Frauen der Sendung mit Spannung entgegen.
Doch noch einmal nimmt der Abend eine plötzliche Wendung und die Feier gerät vollends außer Kontrolle. Ein bitterböses, komisches Stück über die Abhängigkeiten und Abgründe in einer normalen Familie.
Der Schwede Jonas Gardell ist bekannt für seinen kritischen Blick auf alltägliche Situationen und sein Talent, sie durch präzise Charakterdarstellungen humorvoll zu karikieren.

Inszenierung

Regie: Alexandra Wilke
Ausstattung: Alexandra Wilke
Dramaturgie:
Premiere: 1. März 2019, Burgtheater, großer Saal

Termine

Presse:

Viel Applaus für starke Frauen. Ilse, gespielt von Gabriele Rothmann, dominiert das Stück. Sie ist dabei ebenso Furie wie ein alter kleiner Haufen Elend, was mit ihrer offenbar beginnenden Demenz zu tun haben mag, aber vielmehr Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist. Diese Stimmungswechsel sind teils so abrupt, dass die Zuschauer innerhalb von Sekunden lachen, raunen, verstummen und immer auf die Bühne schauen, um keine Regung zu verpassen. Ilse weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt in diesem Leben, also rechnet sie mit ihren Töchtern Gertrud (Lisa Lasch) und Solveig (Katja Reimann) hemmungslos ab. Sie beleidigt und manipuliert sie mit unterschiedlich großem Erfolg. Alle drei Frauen spielen mit großer Präsenz und sparen nicht mit gegenseitigen Vorwürfen, obwohl sie sich nur nach ein bisschen Liebe sehnen. ... Für diese emotionale Einsamkeit der drei Frauen funktioniert der Aufenthaltsraum im Altersheim als Kulisse in diesem kammerspielartigen Stück wunderbar. ... Beobachtet, belauscht und unterbrochen werden sie von drei Heimbewohnerinnen, den heimlichen Stars und potenziellen Publikumslieblingen dieses Stücks. Für diese Rollen hat Regisseurin Alexandra Wilke Seniorinnen aus der Region engagiert. ... Ob die goldenen Lettern „Alles Liebe!“ im Hintergrund als ernst gemeinter Geburtstagswunsch zu deuten sind, darf jeder Zuschauer nach den gut 60 Minuten für sich entscheiden. Bei der Premiere gab es langen und verdienten Applaus für sechs starke Frauen.
David Berndt, Sächsische Zeitung


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