Die Eisbären

von Jonas Gardell

Deutsch von Regine Elsässer

Im schwedischen Stück „Die Eisbären“ geht es ganz und gar nicht um die vom Klimawandel bedrohte Spezies des Nordpolarbären. Allerdings wäre die Hauptperson gern Forschungsreisende geworden. Doch ihr Kindheitstraum, einmal die Polargebiete zu erforschen und Eisbären zu beobachten, blieb genauso unerfüllt, wie der vom Chemiestudium und dem Nobelpreis. Stattdessen heiratete Ilse und bekam drei Kinder.
Zu Stückbeginn feiert Ilse ihren 72. Geburtstag im Altenheim, wo sie von ihren beiden Töchtern Gertrud und Solveig besucht wird. Ihr heiß geliebter Sohn Gabriel aber wird nicht kommen, denn er wird an diesem Tag sein neues Buch der Öffentlichkeit präsentieren. Zwischen den drei Frauen brechen alte Konflikte auf. Jede zieht Vergnügen aus den kleinen und großen Sticheleien und Boshaftigkeiten, die zum Ritual ihrer Familienfeiern zu gehören scheinen. Alle drei warten jedoch auch gespannt auf die Live-Übertragung der Buchpremiere. Doch ausgerechnet Mamas Liebling rechnet in seinem Buch gnadenlos mit der Mutter ab...
In der Inszenierung von Alexandra Wilke spielen neben den drei Hauptdarstellerinnen auch theaterbegeisterte Seniorinnen 65+ aus der Region mit.
Der Schwede Jonas Gardell ist bekannt für seinen kritischen Blick auf alltägliche Situationen und sein Talent, sie durch präzise Charakterdarstellungen humorvoll zu karikieren.

Inszenierung

Regie und Ausstattung: Alexandra Wilke a.G.
Premiere: 01.03.2019
Bühne: Burgtheater, großer Saal

Termine

Presse:

Ilse, gespielt von Gabriele Rothmann, dominiert das Stück. Sie ist dabei ebenso Furie wie ein alter kleiner Haufen Elend, was mit ihrer offenbar beginnenden Demenz zu tun haben mag, aber vielmehr Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist. Diese Stimmungswechsel sind teils so abrupt, dass die Zuschauer innerhalb von Sekunden lachen, raunen, verstummen und immer auf die Bühne schauen, um keine Regung zu verpassen. Ilse weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt in diesem Leben, also rechnet sie mit ihren Töchtern Gertrud (Lisa Lasch) und Solveig (Katja Reimann) hemmungslos ab. ... Alle drei Frauen spielen mit großer Präsenz und sparen nicht mit gegenseitigen Vorwürfen, obwohl sie sich nur nach ein bisschen Liebe sehnen.
... Für die emotionale Einsamkeit der drei Frauen funktioniert der Aufenthaltsraum im Altersheim als Kulisse in diesem kammerspielartigen Stück wunderbar. ... Beobachtet, belauscht und unterbrochen werden sie von drei Heimbewohnerinnen, den heimlichen Stars und potenziellen Publikumslieblingen dieses Stücks. ... Bei der Premiere gab es langen und verdienten Applaus für sechs starke Frauen.
David Berndt, Sächsische Zeitung

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