Die Orestie

von Aischylos

Deutsch von Peter Stein

Regiefassung von Mario Holetzeck

Das am Bautzener Burgtheater platzierte Giebelfries des Bildhauers Ernst Rietschel zeigt dem Betrachter Figuren aus der Orestie des Aischylos, des großen Tragödiendichters der griechischen Antike.
Dieser ließ mit der ORESTIE einen zeitlosen Konflikt von großem Format entstehen, eine Endzeitgeschichte mit heutiger Dimension. Ein furchtbarer Fluch lastet auf dem Haus der Atriden. Mord folgt auf Mord. Rache auf Rache. Agamemnon opferte seine Tochter Iphigenie, um günstigen Wind für seine Kriegsflotte nach Troja zu erbitten. Klytämnestra hat ihm das nie verziehen und tötet den siegreichen Heimkehrer. Daraufhin schwören die Kinder Elektra und Orest Rache; Orest tötet die Mutter und Vatermörderin und deren Geliebten und Mordgehilfen Aigisthos. Nun verfolgen die Erinyen Orest, den Muttermörder, und fordern wiederum seinen Tod. Doch ohne Erfolg. Die Spirale der Gewalt, der Fluch der Familie, das Prinzip der Blutrache wird durchbrochen, durch Apollons Einspruch, der Orest selbst zum Rächer von Agamemnons Tod auserkoren hat, und durch Athenes radikal neue Idee, die Bürger der Stadt zu Richtern über Orests Schicksal zu machen. Vernunft tritt an die Stelle der blinden Rache. Ein Gerichtsverfahren ersetzt die blutige Lösung. Dem Menschen fällt erstmals Verantwortung zu für sein Tun. Die Götter verlieren ihre Allmacht – nicht kampflos. Doch Athene gelingt es, die alten Kräfte mit der neuen Ordnung zu vereinen und bereitet damit den Weg für eine neue Zeit. Ob nun eine glückliche oder unglückliche, wird erst die Zukunft zeigen...

Inszenierung

Regie: Mario Holetzeck a.G.
Premiere: 26.04.2019
Bühne: großes Haus
Bühne und Kostüme: Linda Kowsky a.G.
Choreographie: Gundula Peuthert a.G.

Termine

Rollen

Klytaimnestra: Agamemnon: Aigisthos: Orestes: Kassandra, Pallas Athene: Elektra-Schwester (tote) Iphigenie: Chor: Chor: Chor: Chor, Kalchas: Chor: Chor:
Presse:

Wie aber versteht es Mario Holetzeck, diese Mittel so einzusetzen, dass sie dem jahrtausendealten Stück aus der Feder des Aischylos nicht schaden, sondern einen beim einmaligen Ansehen kaum fassbaren Höhepunkt der sächsischen Theatersaison hergeben? ... Der Schlussapplaus nach der Premiere am Freitag war ein Jubelsturm, wie man ihn ganz selten erlebt. Bravos für jeden Schauspieler und das Inszenierungsteam, in dem Choreografin Gundula Peuthert eine Schlüsselrolle zukam. Die langjährige Leiterin des Görlitzer Tanztheaters schuf mit dem Ensemble, das wohlgemerkt nicht aus Tänzern besteht, bewegte Szenen von größter Eindringlichkeit und inhaltlicher Komplexität. In Bautzen werden Bilder gefunden, welche die ziemlich chaotische und scheinbar gestrige Geschichte aus der Zeit der trojanischen Kriege beinahe kinderleicht verständlich machen. ...
Der Chor bewahrte dabei seine Rolle als Anstifter („Tues!“), Jammerer und Verleumder. Herrlich, wie er immer wieder in Streit gerät mit den Handelnden. So sind die sechs Schauspieler keine Nebendarsteller, sie fallen, als Grüppchen geschlossen choreografiert, in Verlegenheit oder auch mal Panik. ...
Vor allem überzeugen in Bautzen die klar gezeichneten Figuren. Orestes (Richard Koppermann) als ein von Zweifeln und Tatendrang getriebener Kerl, voll Sehnsucht, das Richtige zu tun. Seine Mutter Klytaimnestra (Katja Reimann) nimmt alles, was sie bekommen kann, so lange es ihren Schmerz betäubt. Die Grundsatzfragen, die sie dabei bewegen, stellt Holetzeck nicht plakativ in den Vordergrund. Und gibt ihnen so umso größere Relevanz.
Marcel Pochanke, Sächsische Zeitung

 ... Das gesamte Ensemble läuft zu einer beifallsgerechten Hochleistung auf. ... Der dritte Akt namens „Eumeniden“ wird – neben den Kampfszenen zwischen dem Geschwisterpaar, dynamisch von Cordula Hanns als Elektra (zuvor mit einem Stahlcellosolo am Vatergrab und kurz als dahinschwebender Iphigenie-Geist auffällig) und Richard Koppermann
als Orestes gespielt, und gegen den lässigen Aigisthos alias Marian Bulang – zu einer Sternstunde. ... Hier, im Tempel des Apollon, wird Lisa Lasch als Pallas Athene zur göttlichen Richterin, Olaf Hais verliest als Kalchas das Tatprotokoll,
die Ankläger und Opfer bleiben als Schattengeister im Gerichtssaal, der Volkschor wird zu Schöffen, die sich einstimmig wie janusköpfig für beide Varianten zwischen Schuld- und Freispruch des Thronfolgers entscheiden.
Hier entfaltet das eindrucksvolle barrierefreie Bühnenbild (antiker Marmorbrutalismus, passend zum Bauhausjahr) von Linda Kowsky, die auch feine Kostüme in klarer Farbgebung entwarf, eine neue Wirkung als Bilder- bzw.  Displayrahmen, in dem die Gerichtsszene immer wieder einfriert und sich Orestes in seiner Wahrnehmung qualvoll windet, um per Wahnsinn als Wehrloser aus dem Racherausch zu entschwinden – die Vernunft könnte erstmals über den Rachezyklus siegen. So gelingt auch die Schlusschoreografie von Gundula Peuthert. Außerdem zu loben: die
Lichtregie von Thomas Lückert.
Andreas Herrmann, Dresdner Neueste Nachrichten

Das Spiel mit Macht, Leidenschaft und ursprünglichsten Empfindungen driftet in Bautzen nie ins Banale ab, sondern behält in seiner Furchtbarkeit stets majestätisches Format. ... Regisseur Mario Holetzeck begeistert in Bautzen mit seiner Inszenierung von Aischylos' "Orestie" und das Ensemble mit einer Schauspielleistung von königlichem Format.
Michael Bartsch, Theater der Zeit

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Das war ein großartiger Abend im Deutsch-Sorbischen Volkstheater!
Susanne Schnur

Unbedingt ansehen..sehr sehr ein­drucks­voll. Unglaublich intensiv und beeindruckend..Großartig!
Chris Tine

 

 

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