Kriminell GRIMMig

Ein märchenhaft schräger Abend

Puppentheater für Jugendliche und Erwachsene - P 16

Wir schreiben das Jahr 1814. Gerade ist die Erstausgabe der Kinder-und Hausmärchen erschienen. Leider wurde das Buch nicht gut verkauft und der Verlag musste 350 Exemplare einstampfen.
Höchste Zeit für Jacob und Wilhelmine Grimm, ihre Märchen zu überarbeiten, der Moral und den Wünschen der Leser anzupassen und die obszönen und brutalen Märchen auszusortieren. Wilhelmine? Jedenfalls behauptet die kapriziöse Schauspielerin Fräulein Meier, nach neusten wissenschaftlichen Forschungen wäre der Co-Autor kein Bruder, sondern eine Schwester gewesen. Herr Siegbert, die Rampensau, kann das nicht so recht glauben und testet seine Kollegin, die eher die romantischen Märchen liebt, mit knallhartem Tobak. Auf einem finsteren Dachboden erfinden die Beiden das Märchen 'Fitchers Vogel', die Geschichte von dem Hexenmeister, der Mädchen verführt, zerhackt und in die verbotene 13. Kammer wirft. Ob Fräulein Meier das durchhält?

Inszenierung

Regie und Konzept: Pierre Schäfer a.G.
Premiere: 08.02.2014
Ausstattung: Udo Schneeweiß

Termine

Rollen

Fräulein Meier, Wilhelmine Grimm: Herr Siegbert, Jacob Grimm: Im Untergrund:
Presse:

Das Stück ... beleuchtet die blutrünstige Art von Märchen, die Jakob und Wilhelm Grimm vor gut zweihundert Jahren erstmals herausgaben. Sie hatten sie in anderen literarischen Werken aufgespürt, hatten aufgeschrieben, was das Volk jahrhundertelang von Mund zu Ohr weitergab. Nur war das zum Teil extrem grimmig und kriminell, sodass der Erfolg der "Kinder- und Hausmärchen" auf sich warten ließ.
Eben darüber streiten die Grimms im Stück. Aus den Gebrüdern hat Bautzen Geschwister gemacht, aus Wilhelm wurde Wilhelmine ... Es macht einfach mehr Spaß, zwei Leuten zuzusehen, die sich gegenseitig necken, wenn die beiden Mann und Frau sind.
Zumal wenn die Schauspieler Stephan Siegfried und Marie-Luise Müller ihre Grimm-Rollen verlassen, das Geschehen kommentieren, mit dem Publikum schäkern und sich gegenseitig hochnehmen. ... Es ist schon amüsant, den beiden zuzugucken, wie sie darum ringen, was geht und was nicht. Wie einer die Story des anderen weiterspinnt. Wie die Wackersteine aus dem einen Märchen im nächsten weiterrumpeln. Die Zuschauer haben öfter was zu lachen, weil sie die Elemente aus verschiedenen Märchen wiedererkennen.
Grusling hingegen wird es, wenn Stephan Siegfried und Marie-Luise Müller die Puppen auspacken, sie schweben oder zappeln lassen. Mit den bekleideten Holzfiguren von Udo Schneeweiß wird das Märchen "Fitchers Vogel" inszeniert, das sich die Schreibgeschwister soeben ausgedacht haben. ... Wir lernen: Zerlegte Mädchen leben länger als ihre Zerleger; die Rache an diesen ist teuflich furios. Merkt Eucht das doch endlich, Männer!

Rafael Barth, Sächsische Zeitung

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