Zur Sache Bautzen

BAUTZEN – EIN ORT DER AUSGRENZUNG?
Das Theater und die Sächsische Zeitung starten eine neue Veranstaltungsreihe - „Zur Sache Bautzen“
mit Dr. Sebastian Kurtenbach, Fachhochschule Münster und Dr. Cathleen Bochmann, Technische Universität Dresden

Wie rechts ist Bautzen? Für viele Einwohner ist schon die Frage eine Provokation. Den schlechten Ruf der Stadt lasten sie vor allem den Medien an. Deren Berichterstattung bringe Bautzen immer wieder mit Rassismus und Rechtsextremismus in Verbindung und sei deshalb Schuld am miesen Image.
Steht Bautzen also zu Unrecht im Fokus? Nein, widerspricht Dr. Sebastian Kurtenbach. Der Soziologe aus Münster hat mit seinem Team die Situation in der Stadt intensiv untersucht. Drei Monate lang waren die vier Wissenschaftler vor Ort. In dieser Zeit sprachen sie mit mehr als 100 Politikern, Flüchtlingen und Bürgern. Sie werteten Sozialdaten aus, sichteten Sitzungsprotokolle des Kreistags und Hunderte Medienberichte. Ihr Fazit lautet: In Bautzen haben sich die Normen verschoben. Sie nennen die Stadt einen „Ort der Ausgrenzung“ – geprägt durch Alltagsrassismus und eingefahrene Denkmuster. Rechte Straftaten würden verharmlost, die Ablehnung von Flüchtlingen sei für viele Menschen normal.
Wie kommen die Wissenschaftler zu dieser Einschätzung? Halten sie der Stadtgesellschaft tatsächlich einen Spiegel vor? Oder ist ihr Blick auf Bautzen verengt? Ist es überhaupt sinnvoll, ganze Städte und Regionen als „Orte der Ausgrenzung“ zu charakterisieren? Oder ist eine solche Stigmatisierung eher kontraproduktiv?
Darüber diskutieren der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, Lutz Hillmann, und der Redaktionsleiter der Sächsischen Zeitung in Bautzen, Ulli Schönbach, am 28. April mit Sebastian Kurtenbach und Dr. Cathleen Bochmann.
Die Politikwissenschaftlerin von der TU Dresden beschäftigt sich mit einer Frage, die auch vielen in Bautzen am Herzen liegt: Wie kann ein Dialog trotz verhärteter Fronten gelingen? „Krisen-Dialog-Zukunft“ heißt das Projekt.
Wie groß die Herausforderung ist, zeigte zuletzt das Bürgerforum in der Maria-Martha-Kirche. Zwar lautete das Motto „Zurück zur Sachlichkeit“, doch die Atmosphäre war aufgeladen, teilweise aggressiv. Ein wirkliches Gespräch, ein Austausch von Argumenten kam nicht zustande. Die Forscher warnen: Wird die Kommunikation auf diese Weise dauerhaft blockiert, leidet der gesellschaftliche Zusammenhalt. Gefragt sind neue Methoden, um Konflikte in Lösungen zu verwandeln.
Das Gespräch im großen Haus des Theaters beginnt um 11 Uhr. Es ist Teil einer neuen Veranstaltungsreihe. Unter dem Motto „Zur Sache, Bautzen“ laden Theater und Sächsische Zeitung ab sofort regelmäßig zu Debatten und Gesprächsrunden ein.

Produktion

Veranstaltungsort: Bautzen, großes Haus Bautzen, Hauptbühne

Termine


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