Grußwort zur Spielzeit 2018/2019!

Grußwort des Intendanten Lutz Hillmann

ich begrüße Sie herzlich zur Spielzeit 2018/2019 im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen.

Lutz Hillmann, Intendant, 1. Betriebsleiter, Regisseur, Schauspieler

Liebes Publikum, sehr verehrte Gäste unseres Theaters,

 

als der alte Grieche Aischylos vor 2500 Jahren seinen Tragödienzyklus „Die Orestie“ zur Aufführung brachte, hat er sich bestimmt nicht träumen lassen, wie seine Stücke bis in die heutige Zeit wirken. Ernst Rietschel schuf eine Figurengruppe aus fünfzehn überlebensgroßen Sandsteinfiguren, die eine versteinerte Szene daraus sein könnte. Im September 2018 ist sie genau 15 Jahre lang an unserem Burgtheater zu bewundern. So lange gibt es schon unser kleines Haus auf der Ortenburg. Seitdem bietet es Puppentheater, Schauspiel der kleinen Form, Literatur, Musik und zahlreichen Gästen ein theatrales Zuhause. Das wollen wir am 9. September mit einem Theaterfest auf der Ortenburg feiern.
„Die kleine Orestie“ und „Orest aus Stein“ sind laufende kleine Inszenierungen, die sich um den sogenannten Rietschelgiebel drehen. Zum Spielzeitende wollen wir nun den Bogen ins große Haus schlagen und das große Werk Aischylos „Die Orstie“ auf die Bühne bringen. Besonnenheit statt Rache, Rechtsstaat statt Willkür – die „westlichen Werte“ gründen in der antiken griechischen Polis. Gleichzeitig ist das Stück die Geburtsstunde des Theaters, wie wir es heute kennen. Im Burgtheater übernimmt im Herbst Stephan Siegfried die Leitung des Puppentheaters von Therese Thomaschke. Es ist eine harmonische und organisierte Staffelstab-Übergabe. Der junge Puppenspieler hat bereits am Theater Koblenz eine Figurentheater-Sparte aufgebaut. Wir sind gespannt auf seine Einstandsinszenierung für Erwachsene „Der Besuch der alten Dame“.
Unser Burgtheater spielt nicht zuletzt eine wesentliche Rolle beim Bautzener Theatersommer. Ohne die logistischen Möglichkeiten, die das Haus bietet, wäre diese Freiluftveranstaltung nicht möglich. Nach drei Olsenbande-Jahren wollen wir 2019 den Ursachen der übergroßen Publikumsresonanz nachspüren. Viele im Osten sozialisierte Menschen identifizieren sich offensichtlich gern mit dem sympathischen Gaunertrio. Die „Sonnenallee“ bietet einen ähnlichen Stoff, bei dem man sich – ohne nostalgisch zu verklären – selbstbewusst an Jugendzeit in der DDR erinnern kann.
Sehr stolz bin ich darauf, dass seit Mitte 2018 unser „Thespis-Zentrum“ seine Arbeit aufgenommen hat. Wir wollen mit diesem Projekt den Nachweis führen, welch sozialisierende Wirkung Laientheater haben kann. Die dort arbeitenden Theaterpädagoginnen und Kulturmanagerinnen wollen mit Theater spielerisch Verständnis und Empathie zwischen sich vielleicht fremden Menschen entwickeln. Eine Chance, von Bautzen aus ein menschliches Signal zu senden.
Freuen wir uns gemeinsam auf 22 Premieren in deutscher, ober- und niedersorbischer Sprache, auf ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Den Künstlerinnen und Künstlern wünsche ich hierbei viel Erfolg und dem Publikum anregende Theaterabende!

Ihr Lutz Hillmann, Intendant