Der Reichsbürger

von Annalena und Konstantin Küspert
75 min, keine Pause
Er ist bekennender Selbstverwalter, bedankt sich höflich bei der Theaterleitung dafür, dass er die Gelegenheit erhielt, im Theater vor Publikum sprechen zu dürfen. Sein Hauptanliegen besteht darin, die Zuschauer von seiner ureigenen Wahrheit
zu überzeugen. Dafür zieht er alle Register – er argumentiert, zitiert, wirbt, schmeichelt, droht... Annalena und Konstantin Küspert entwickelten und recherchierten erstmals gemeinsam. Als Ergebnis entstand ein viel beachtetes Theaterstück – „Der Reichsbürger“ (Uraufführung 2018 am Theater Münster). Das Stück widmet sich nach Aussage des Autorenduos unter anderem der Verbindung rechter Positionen und linker Lebensweise. „Das ist ja keine homogene Gruppe, diese Reichsbürger. Das ist eigentlich ein generalisierter Begriff, der ganz viele verschiedene Formen von im weiteren Sinne Selbstverwaltern umschließt. Da sind welche dabei, die Uniformen wie aus dem Operettenfundus tragen. Dann gibt´s Leute, die glauben, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht existiert. (…) Und dann gibt´s Leute, die eigentlich nur keine Steuern zahlen und auf Polizisten schießen wollen“, sagte Konstantin Küspert in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Annalena Küspert wiederum findet es besonders interessant, wie widersprüchlich die Positionen der Reichsbürger sind: „Dass zum Beispiel gesagt wird, dass bestimmte Gesetze nicht zu beachten sind, weil es noch Gesetze aus der Nazizeit sind. Und was wir auch ziemlich erstaunlich fanden ist, dass es auch immer wieder eine große Nähe zu linkspolitischen Tendenzen gibt. Auch in diesem Bestreben, souverän zu sein: der Trend zur Selbstversorgung, dass man aufs Land zieht und unabhängig ist, sich den eigenen Brunnen baut...“

Die Autoren wollen mit ihrem Stück auch der Frage nachspüren: Wieviel „Reichsbürger“ steckt eigentlich in uns? Sind wir verführbar? Wie weit sind wir davon entfernt, eine gelbe Linie um unser Grundstück zu ziehen?

inscenacija

Regie:
Ausstattung:
Dramaturgie:
Premiere: 19. Januar 2022, großes Haus

termin

30.01.2022 um 19:30 hodź. großes Haus, Hauptbühne Karten bestellen
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róle

Der Reichsbürger:
Presse:

Der Reichsbürger steht im Anzug mit rotem Einstecktüchlein und Krawatte auf der Bühne. ...Vom Anzug aber eher Typ Politiker oder wie jemand aus der Wirtschaft. Vom Äußeren also harmloser als das Innere ahnen lässt. Das ist wohl die Botschaft. Gut gedacht von Katharina Lorenz, die Bühne und Kostüm verantwortet. Das Bühnenbild passt zur Grundidee des Vortrag. Wilhelm S. sitzt dann breitbeinig da: machohaft, siegesgewiss. Feine Botschaften, die hier auf der körpersprachlichen Ebene markiert werden. Wie auch der erste sichere Moment, wo Wilhelm S. das Jackett aufknüpft und denkt: So, jetzt hat der Fisch angebissen! ... Marian Bulang spielt das alles präzise. Glaubwürdig. Viele Zwischentöne. Und hat auch das Publikum immer im Blick. Er achtet auf die Reaktion, ist sehr konzentriert und hat 20 Seiten Text im Kopf. Hut ab! ... Stefan Wolfram, der Regisseur, sagt nach der Premiere, dass es ihm wichtig gewesen sei, die Figur nicht zu denunzieren, sich nicht über sie lustig zu machen, sonst würde sie an Glaubwürdigkeit verlieren. An Bedrohlichkeit. Klar! Seine Regie ist passend, ist genau. Sie setzt vor allem auf den Text und die Figur.
Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur

Der Text und die Regie von Stephan Wolfram sind geschickt aufgebaut, locken das Publikum sozusagen in eine Falle. ... Marian Bulang erschleicht sich die Gunst des Publikums. Da wird kein Antityp mit Wahnvorstellungen aufgebaut
... Gelacht wurde auch. Bis das Lachen dann im Halse stecken blieb. Die meisten kamen nachdenklich aus dem Theatersaal ... Das Stück ist wichtig für Bautzen, denn die Debattenkultur in der Stadt ist besser als ihr Ruf
Michael Bartsch, MDR Sachsen

Mit Marian Bulang in der Titelrolle gelingt es Regisseur Stefan Wolfram, das grundsätzliche Anliegen des Textes zu erfüllen, nämlich die Mechanismen dieser perfiden Rhetorik und Demagogie dar- wie bloßzulegen. ... gibt es nichts zu mäkeln an dieser Vorstellung eines Hetzers, den Bulang mit scheinbar kleinen Mitteln entwickelt: Das erst legere, dann selbstzufriedene Fläzen im Ledersessel, der zur Waffe gewandelte Zeigefinger, die leise, aber stetig steigende Aggression in Stimme und Haltung. ... Dass Bulang seinen „S.“ den Hausherrn devot grüßen lässt, aber den Techniker, der seinen Auftritt erst möglich macht, nicht kennt, nur kommandiert, ist nur eines der bezeichnenden Details, die dieses Solo stimmig und erschreckend machen.
Ute Grundmann, Die deutsche Bühne

Als ein solcher Verführer tritt der wandlungsfähige, schlagfertige und enorm textsichere Marian Bulang rund eine Stunde der 70 Spielminuten auf. ... Die dramaturgisch geschickt herbeigeführte Selbstdemaskierung des paranoiden Agitproppers verfehlt ihre Wirkung auf die Besucher nicht. Es sei bestürzend, wie viele dennoch an den Schwachsinn glaubten; man wisse jetzt besser, welchen Versuchern man nicht erliegen dürfte, hieß es hinterher im Foyer.
Michael Bartsch, taz

 

 


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